Blaustirnamazone

Amazona aestiva

Avilumen-Redaktion ·

Blaustirnamazone
Foto: derivative work: Snowmanradio (talk) Blue-fronted_Amazon_(Amazona_aestiva)_-8.jpg: mauroguanandi · CC BY 2.0

Die Blaustirnamazone, gelegentlich auch Rotbug-, Gelbbug- oder Gelbflügelamazone genannt, ist eine Art aus der Gattung der Amazonenpapageien. Als Blaustirnamazone wird gelegentlich auch die ebenfalls zu den Amazonenpapageien gehörende Amazona versicolor bezeichnet. Für diese Art hat sich im deutschsprachigen Raum allerdings die Bezeichnung Saint-Lucia-Amazone durchgesetzt.

Die Blaustirnamazone (Amazona aestiva), gelegentlich auch Rotbug-, Gelbbug- oder Gelbflügelamazone genannt, ist eine Art aus der Gattung der Amazonenpapageien. Als Blaustirnamazone wird gelegentlich auch die ebenfalls zu den Amazonenpapageien gehörende Amazona versicolor bezeichnet. Für diese Art hat sich im deutschsprachigen Raum allerdings die Bezeichnung Saint-Lucia-Amazone durchgesetzt.

Die Blaustirnamazone gehört neben dem Graupapagei zu den am häufigsten in Gefangenschaft gehaltenen Papageienarten. Ähnlich wie der Graupapagei ist sie in der Lage, die menschliche Sprache nachzuahmen, was zu ihrer Beliebtheit als Ziervogel wesentlich beigetragen hat.

Körpergröße und -gewicht

Sowohl in der freien Wildbahn als auch bei in Gefangenschaft gehaltenen Blaustirnamazonen ist eine große Variabilität hinsichtlich Körpergröße und Gewicht festzustellen. Individuen wiegen zwischen 400 und 660 Gramm, die Körperlänge beträgt zwischen 33 und 36 Zentimeter. Weibchen und Männchen sind an ihrem Federkleid nicht zu unterscheiden, Weibchen sind tendenziell aber etwas kleiner. Die Länge des kräftigen grauen Schnabels variiert zwischen 2,9 und 3,3 Zentimeter. Der Schwanz ist zwischen 11 und 14 Zentimeter lang.

Erscheinungsbild

Wie bei allen Vertretern der Amazonenpapageien ist die Grundgefiederfärbung grün. Während die meisten Arten dieser Gattung eine charakteristische Gefiederfärbung aufweisen, ist bei der Blaustirnamazone die Färbung am Kopf-, Brust- und Flügelbuggefieder sehr variabel. Die meisten Vertreter der Blaustirnamazone haben eine blaue Stirn. Der Vorderkopf, häufig auch der Hinterkopf sowie die Wangen sind gelb gefiedert. Bei einigen Individuen dehnen sich die gelben Federn auch auf die Kehlpartie aus.

Die Ober- und die Unterschwanzdecken sind gelblich grün, der grüne Schwanz weist an seinem Ende gelbe Spitzen auf. Die äußeren Schwanzfedern sind an der Basis rot. Die Handschwingendecken dagegen weisen eine dunkelgrüne Färbung auf und sind an ihren Spitzen blauviolett. Die Füße der Blaustirnamazone ist ebenso wie der kräftige Schnabel von grauer Farbe, die Iris ist dagegen orange. Der Augenring ist weiß.

Noch nicht ausgewachsene Vögel lassen sich am einfachsten an der dunkelbraunen Iris erkennen. Ansonsten ist auch bei ihnen die Färbung sehr variabel. Generell sind die gelben und blauen Farbpartien bei Jungvögeln weniger ausgedehnt als bei adulten.

Flügelbugfärbung als Unterscheidung von Unterarten?

Die Flügelbugfärbung wird gelegentlich als Unterscheidungsmerkmal der beiden Unterarten „Amazona aestiva aestiva“ und „Amazona aestiva xanthopteryx“ genutzt. Die Nominatform A. ae. aestiva weist im idealtypischen Erscheinungsbild einen roten Flügelbug auf. Bei der Unterart A. ae. xanthopteryx ist dieser dagegen gelb. Untersuchungen, die in den 1980er Jahren an Vogelbälgen des Senckenbergmuseums in Frankfurt am Main und des Museums für Naturkunde in Stuttgart durchgeführt wurden, haben jedoch gezeigt, dass eine solch idealtypische Gefiederfärbung nur selten zu finden ist. Bei den Exemplaren, die dem Verbreitungsgebiet der Nominatform zuzuordnen sind, überwiegt am Flügelbug eine rote Gefiederfärbung; bei denen aus dem Verbreitungsgebiet von A. ae. xanthopteryx eine gelbe Färbung. In einem sehr großen Teil des Verbreitungsgebietes ist die Farbverteilung am Flügelbug jedoch fließend. Daraus haben einige Ornithologen den Schluss gezogen, dass man nicht von zwei deutlich unterscheidbaren Unterarten ausgehen kann.

Verbreitung und Bestand

Blaustirnamazonen haben in Südamerika ein sehr großes Verbreitungsgebiet, das in seiner Längsausdehnung mehr als 3000 Kilometer umfasst. Es erstreckt sich von Bolivien und Brasilien bis nach Paraguay und dem nördlichen Argentinien.

Akzeptiert man eine Unterscheidung in zwei Unterarten, dann ist die Nominatform Amazona aestiva aestiva (Linnaeus, 1758) in einem Gebiet zu finden, das sich im östlichen Brasilien von Piauí bis zum Rio Grande de Sul und dem Südosten des Mato Grosso erstreckt. Die Art fehlt dagegen im Küstenbereich Brasiliens.

Amazona aestiva xanthopteryx (Berlepsch, 1896) dagegen kommt vom Norden und Osten Boliviens und dem Südwesten des Mato Grosso und Paraguay bis in den Norden Argentiniens vor. Santa Fé und Buenos Aires stellen dabei die südliche Verbreitungsgrenze dar.

Es liegen keine Bestandszahlen für die Blaustirnamazone vor. Sie gilt im überwiegenden Teil ihres Verbreitungsgebietes immer noch als häufig, und von der IUCN wird sie immer noch mit „Least Concern“ und damit als ungefährdet eingeordnet.

Lebensraum

In ihrem großen Verbreitungsgebiet nutzen Blaustirnamazonen eine große Anzahl unterschiedlicher Lebensräume. Sie sind eher Vögel des bewaldeten Flachlands, wenn auch Vertreter dieser Art auf dem brasilianischen Hochplateau und in den Trockentälern des Chacos bis in eine Höhe von 1600 Metern über NN beobachtet worden sind. Aufgrund ihrer Abhängigkeit von Baumhöhlen sind sie in ihrem Lebensraum immer auf einen Bestand von alten Bäumen angewiesen. Ausgehend von solchen Baumbeständen nutzen sie aber auch offenes Kulturland und Gebiete mit savannenartigem Charakter für die Nahrungssuche.

Nahrung und Nahrungserwerb

Blaustirnamazonen werden grundsätzlich als Nahrungsgeneralisten eingestuft, die ein breites Spektrum unterschiedlicher Futterpflanzen nutzen. Sie suchen ihre Nahrung überwiegend in der Krone von Bäumen und nutzen dabei meistens unterschiedliche Palmenarten, deren Früchte sie in unterschiedlichen Reifegraden fressen. Bei der Nahrungssuche sind die Vögel nur selten alleine zu beobachten. Sie suchen ihre Fressplätze in der Regel entweder paarweise oder in kleinen Gruppen von sechs bis acht Individuen auf. In der Nähe von San Ramón de la Nueva Orán im westlichen Argentinien sind Blaustirnamazonen gefürchtete Schadvögel der Orangenplantagen. Wegen des reichlichen Nahrungsangebots sammeln sich dort mitunter lose Gruppen von bis zu 5.000 Vögeln. Die Nahrungssuche findet überwiegend in den Morgen- und Abendstunden statt. Dazwischen liegt eine Ruhe- und Schlafphase, die die Vögel versteckt in Baumkronen verbringen.

Samen werden von ihnen grundsätzlich geschält. Ihr Fressverhalten ist dabei sehr papageientypisch. Ein einzelnes Samenkorn wird von ihnen so aufgenommen, dass es senkrecht in der Schnabelhöhle steht. Die Vögel drücken es mit der Zunge gegen den Oberschnabel und schälen es dann mit Hilfe der Unterschnabelspitze aus seiner Umhüllung. Ist eine Nuss oder Frucht zu groß, wird sie mit einem Fuß ergriffen und dann mit dem Schnabel bearbeitet. Aufgrund fehlender Freilandbeobachtungen weiß man nicht, ob sie sich dabei ausschließlich auf Baumfrüchte konzentrieren, oder ob sie gelegentlich auch Blüten und Blätter fressen, wie man dies bei anderen Amazonenpapageien beobachtet hat. Der Ornithologe Werner Lauterbach hat in den 1980er Jahren umfangreiche Untersuchungen an in Volieren gehaltenen Blaustirnamazonen durchgeführt. Diese lassen darauf schließen, dass auch in freier Wildbahn die Nahrungszusammensetzung der Blaustirnamazonen jahreszeitlichen Schwankungen unterworfen ist. Nach Lauterbachs Untersuchungen ist es bei in Gefangenschaft gehaltenen Vögeln sinnvoll, sie außerhalb der Brutzeit zu zwei Dritteln mit einem trockenen Körner- und Samengemisch zu füttern, das neben Kardisaat auch Hafer, Weizen, Hirse, Buchweizen, Zirbelnüsse, Erdnüsse und Kürbiskerne sowie bis zu 20 % Sonnenblumenkerne enthält. Das übrige Drittel besteht aus Obst. Vor dem Beginn der Brutzeit, die in freier Wildbahn mit dem Beginn der Regenperiode zusammenfällt, wird die Nahrung sehr stark auf Weichfutter umgestellt. Als Hauptnahrung erhalten die Vögel kohlenhydrathaltige Hülsenfrüchte, die vorher etwas angekocht wurden, sowie eine Mischung aus Obst, Beeren, Gemüse, Grünfutter und gekeimter Saat.

In Argentinien richten Blaustirnamazonen gelegentlich Schäden in Orangenplantagen an. Auch Maisfelder werden von ihnen mitunter geplündert. Auf dem Boden sind Blaustirnamazonen dagegen zur Nahrungsaufnahme nur selten zu beobachten. Sie halten sich dort nur zum Trinken und zur Aufnahme von mineralstoffreicher Erde auf. Blaustirnamazonen trinken insgesamt sehr wenig. Die Flüssigkeitsmenge, die sie zusätzlich aufnehmen, ist abhängig davon, welchen Nahrungsanteil trockene Sämereien im Verhältnis zu Früchten haben.

Ruhe- und Komfortverhalten

Blaustirnamazonen sind in den frühen Morgen- und den späten Nachmittagsstunden am aktivsten. Dazwischen liegt eine mehrstündige Ruhe- und Schlafphase. Sie hocken dann mit leicht aufgeplustertem Gefieder auf einem der Äste; ein Bein ist angezogen und im Gefieder versteckt. Das zweite Bein ist so ausgerichtet, dass sich der Greiffuß in der Mitte der Körperlängsachse befindet. In der Ruhehaltung ist der Kopf nur gelegentlich um etwa 180 Grad nach hinten gedreht und im Gefieder versteckt, beim Schlafen ist dies grundsätzlich so. Ruhende Vögel haben zwar die Augen häufig geschlossen, reagieren aber auf akustische Reize in ihrem Umfeld, in dem sie regelmäßig die Augen öffnen. Schlafende Vögel schließen ihre Augen über einen längeren Zeitraum.

Ruhephasen beenden die Vögel mit Streckbewegungen, bei denen sie ihre Flügel auffächern oder jeweils ein einzelnes Bein nach hinten wegspreizen. Dem folgt häufig ein Putzen des Gefieders, bei dem die Blaustirnamazone Federn durch den Schnabel zieht und mit Hilfe der Zunge säubert („Komfortverhalten“). Blaustirnamazonen können alle Federn ihres Federkleides erreichen und so säubern. Eine Ausnahme stellt lediglich das Kopfgefieder dar. Die gegenseitige Pflege des Kopfgefieders ist ein Teil der Paarbindung und des Sozialverhaltens der Blaustirnamazone.

Regen wird von den Blaustirnamazonen gleichfalls zur Pflege des Gefieders genutzt. Sie

plustern das Gefieder auf und spreizen die Flügel leicht, um so möglichst große Partien ihres Gefieders zu durchnässen. Diese Haltung kann über eine Stunde beibehalten werden und wird nur unterbrochen, um das Gefieder zwischenzeitlich mit Schnabel und Zunge zu reinigen. Aus der Volierenhaltung weiß man, dass Blaustirnamazonen auch in Wasserschalen gerne und sehr ausgiebig baden. In der freien Wildbahn hat man für andere Papageienarten auch das Baden in den regennassen Blättern von Laubbäumen beschrieben. Vermutlich gehört dies aber auch bei Blaustirnamazonen zum Verhaltensrepertoire.

Fortbewegung

Die für Blaustirnamazonen typische Fortbewegungsweise ist das Klettern. Dem kräftigen Schnabel kommt dabei eine wesentliche Rolle zu. Wie viele Papageienarten sind Blaustirnamazonen in der Lage, sich mit dem Schnabel fest- oder einzuhaken und ihr gesamtes Körpergewicht nachzuziehen. Sie sind auch in der Lage, kopfüber von einem Ast zu hängen und gegebenenfalls dabei mit nur einem Fuß ihr Körpergewicht zu halten. Bewegen sich Blaustirnamazonen entlang eines Astes, dann geschieht dies meist in einer seitlichen Schiebebewegung: Ein Fuß wird in der Bewegungsrichtung versetzt, der zweite dann herangezogen. Ein Gehen entlang eines Astes, bei dem sich die Körperachse parallel zum Ast befindet, gehört zwar auch zum Bewegungsrepertoire der Blaustirnamazonen, ist aber typisch für das weiter unten beschriebene Imponierverhalten.

Auf dem Boden halten sich Blaustirnamazonen nur selten auf. Auf den Menschen wirkt ihr ebenerdiges Gehen, bei dem die Zehen etwas nach innen gerichtet sind, unbeholfen. Bei den ausführlichen Untersuchungen, die Werner Lantermann an in Volieren gehaltenen Vögeln unternommen hat, mieden die Papageien einen Aufenthalt auf dem Boden und suchten den Volierenboden überwiegend nur dann auf, wenn sie einem aggressiven Artgenossen aus dem Weg gingen.

Dem Auffliegen geht bei Blaustirnamazonen eine Auf- und Abwärtsbewegung des Kopfes und ein leichtes Abstellen der Flügel voraus. Die Flügelschläge sind weich und haben ihren Wendepunkt unterhalb des Körperniveaus. Der Flug ist gelegentlich unterbrochen von kurzen Gleitstrecken, bei denen die ausgebreiteten Flügel etwas nach unten gebogen sind.

Balz

Wie bei vielen anderen Papageienarten gibt es auch bei der Blaustirnamazone kein ausgeprägtes oder eigenständiges Balzverhalten. Ein auch außerhalb der Balzzeit beobachtbares Verhaltensrepertoire wird in dieser Zeit lediglich quantitativ und qualitativ intensiviert. Funktion der Balz ist es, die beiden Partner eines Paares in ihrer Stimmung zu synchronisieren und Flucht- und Angriffstendenzen zwischen den beiden Vögeln abzubauen, sodass es letztlich zur Kopulation kommen kann.

#### Imponierverhalten

Männchen zeigen insbesondere in der Balzzeit ein Imponierverhalten, das aus dem Abspreizen des Nackengefieders, einem leichten Abspreizen der Flügelbugs vom Körper und einem Auffächern der Schwanzfedern besteht. Das Männchen vergrößert damit zum einen sein Erscheinungsbild und präsentiert gleichzeitig das Gefieder, das sich in seiner Färbung von dem sonst grünen Körpergefieder abhebt. Diese Zurschaustellung des Körpers erfolgt in der Regel begleitet von lauten Rufen. Weibchen werden von diesem Verhalten angelockt, rivalisierende Artgenossen dagegen abgeschreckt. Die demonstrative Zurschaustellung des Körpers ist häufig begleitet von einem „Gehen“, bei dem sich die Körperlängsachse parallel zum Ast befindet. Dabei beißt oder hackt das Männchen gelegentlich in den Ast hinein.

Das Imponierverhalten ist bei unverpaarten Männchen in der Regel besonders intensiv; bei seit langem verpaarten Blaustirnamazonen kann es allerdings auch entfallen. Es wird dann lediglich als Imponiergehabe gegenüber rivalisierenden Artgenossen gezeigt.

Text übernommen aus Wikipedia · CC BY-SA 4.0

Wo er lebt

Gefiederfarben

Verbreitung

Verbreitungskarte von Amazona aestiva
Karte von Cephas · CC BY-SA 4.0

Taxonomie

Gattung
Amazona

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Illustrationen nach dem Foto von derivative work: Snowmanradio (talk) Blue-fronted_Amazon_(Amazona_aestiva)_-8.jpg: mauroguanandi (CC BY 2.0), Wikimedia Commons.

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Häufige Fragen

Ist Amazona aestiva (Blaustirnamazone) vom Aussterben bedroht?
Die Rote Liste der IUCN führt Amazona aestiva, im Deutschen Blaustirnamazone genannt, in der Kategorie „Potenziell gefährdet“. „Potenziell gefährdet“ bedeutet, dass die Art noch nicht gefährdet ist, es aber bald sein könnte.
Wo lebt Amazona aestiva (Blaustirnamazone)?
Amazona aestiva (Blaustirnamazone) kommt in folgenden Regionen vor: Brasilien und Südamerika.
Zu welcher Familie gehört Amazona aestiva (Blaustirnamazone)?
Amazona aestiva (Blaustirnamazone) gehört zur Familie Psittacidae in der Ordnung Psittaciformes.
Welche Farbe hat Amazona aestiva (Blaustirnamazone)?
Das Gefieder von Amazona aestiva (Blaustirnamazone) vereint folgende Farben: Grün, Blau und Gelb.

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